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Bewegungsunfähigkeit oder Lähmungserscheinungen sind sehr häufige Inhalte von Albträumen. Der Träumende sieht sich einer Gefahr gegenüber und möchte die Flucht ergreifen, doch entweder kann er sich überhaupt nicht bewegen oder er ist wie gelähmt. Obwohl er mit aller Kraft versucht loszulaufen, kommt er nicht vom Fleck. Es ist so, als würde ihn etwas festhalten, oder es fühlt sich an, als befände man sich in einer Art Spinnenweben oder geleeartigen Masse, die einen am Weglaufen hindert.
In Kürze zu: Albträume von Bewegungsunfähigkeit / Lähmung |
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Solche Albträume sind typische Angstträume. In den allermeisten Fällen zeigt sich in der Bewegungsunfähigkeit irgendeine Form von Angst. Diese Art von Albträumen kann vielerlei Ursprünge haben. Sie können emotional bedingt sein, aber auch rein körperlich induziert. Auch eine Mischform aus beiden ist nicht unüblich.
Symbolik von Lähmungsträumen
Albträume von der Unfähigkeit sich zu bewegen sind nicht immer leicht zu deuten, dafür aber umso einfacher zu identifizieren. Die Symbolik von Lähmungsträumen ist eine sehr offensichtliche. Obwohl man nicht gefangen ist, angekettet oder in einem Raum eingesperrt, kann man sich kaum vom Fleck bewegen. Man verspürt eine Art Fluchtreflex und möchte so schnell es geht das Weite suchen. Alternativ verspürt man keine Panik, sondern möchte einfach nur auf schnellstem Wege ein bestimmtes Ziel erreichen.
Das Problem dabei ist, dass man sich von einer unsichtbaren Macht zurückgehalten fühlt. Man bewegt sich wie in Zeitlupe und kämpft gegen Widerstände an, die man nicht (be)greifen kann. Es fühlt sich an, als hätte man Metall in den Adern und versucht, sich von einem Magneten zu entfernen, oder als ob man in einem unsichtbaren Spinnennetz gefangen oder in einen riesigen Block Wackelpudding gegossen worden wäre.
Eine Kombination von Bewegungsunfähigkeits- bzw. Lähmungsträumen mit Verfolgungsträumen ist keine Seltenheit. Meistens handeln solche Träume von der unmöglichen Flucht vor etwas Unbekanntem, doch mit etwas „Glück im Unglück“ nimmt noch ein Verfolger an der Traumhandlung teil. Dadurch wird der Albtraum zwar nicht unbedingt schöner, doch erleichtert das die Deutung und somit die Bekämpfung der Ursachen solcher Träume enorm.
Mögliche Ursachen von Bewegungsunfähigkeit oder Lähmung im Traum
Das Phänomen der Lähmung im Traum kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Naheliegend ist es, die Lähmung im Traum als Ausdruck einer Angst vor tatsächlicher körperlicher Lähmung zu interpretieren. Doch diese Deutung greift zu kurz. Häufiger ist sie eher ein Zeichen für eine geistige Blockade. Interessanterweise können Albträume von Bewegungsunfähigkeit manchmal auch rein körperliche Ursachen haben, die eng mit der Physiologie des Schlafes zusammenhängen.
Körperliche Ursachen
Das Phänomen der Bewegungsunfähigkeit im Schlaf zählt man zu den Schlafkrankheiten bzw. Schlafstörungen. Während des Schlafs durchläuft der menschliche Organismus mehrere Schlafzyklen und Schlafphasen. Gegen Ende der Nacht beginnt der Körper langsam mit den Vorbereitungen zum Aufwachen. Das führt auch dazu, dass wir uns an die Träume gegen Ende der Nacht viel besser erinnern können als an Träume während der ersten Schlafzyklen.
Während des Schlafens entspannt sich der gesamte Körper, einschließlich der Organe und des Muskelapparates. Normalerweise erwachen Bewusstsein und Organismus gemeinsam, die kognitiven Fähigkeiten werden allmählich hochgefahren und die körperlichen Aktivitäten nehmen zeitgleich zu. Es kann jedoch vorkommen, dass das Bewusstsein einfach schneller bereit ist als das Herz-Kreislaufsystem. So ergibt sich, dass die Wahrnehmung schon funktioniert, der Körper jedoch nicht auf die gegebenen Kommandos reagiert.
Die Angst vor vollständiger Bewegungsunfähigkeit ist eine Urangst des Menschen. Niemand möchte plötzlich aufwachen und feststellen, dass sein Körper nicht mehr reagiert, obwohl man bei vollem Bewusstsein ist. Das Bewusstsein bekommt es während der Aufwachphase durchaus mit, dass der Körper nicht reagiert, obwohl er es schon tun sollte. Nahezu unweigerlich führt das dazu, dass sich die Lähmung direkt im Traum bemerkbar macht.
In einem solchen Fall ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass ein Albtraum entsteht, denn schließlich verspürt ein Teil des Bewusstseins die Angst vor der Bewegungsunfähigkeit, und diese Angst ist real. Im Normalfall endet diese Schlafparalyse mit dem Aufwachen. Durch die Angst werden typische körperliche Reaktionen provoziert wie der Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck. Dadurch beschleunigen sich die körperlichen Prozesse des Aufwachens, sodass der Organismus dann doch noch rechtzeitig bereit ist, wenn der Mensch wieder das volle Bewusstsein erlangt.
Andere Menschen haben weniger Glück und ihr Körper reagiert tatsächlich erst viel später, sodass sie wahrhaftig eine Zeit lang hellwach in ihrem bewegungsunfähigen Körper gefangen sind. Wer häufiger direkt vor dem Aufwachen von Lähmungsträumen heimgesucht wird, obwohl es keine mentalen Ursachen dafür gibt, sollte sich in einem Schlaflabor untersuchen lassen. Möglicherweise haben die Albträume einfach eine organische Ursache.
Mentale Ursachen
Eine körperliche Störung ist jedoch nur selten die Ursache für Bewegungsunfähigkeitsträume. Meistens handelt es sich um eine rein mentale Lähmung, die durch einen Zustand von Angst oder gefühltem Stillstand und Handlungsunfähigkeit ausgelöst wird.
Die Redewendung „gelähmt vor Angst“ existiert nicht ohne Grund. Sicherlich hat jeder schon einmal eine Situation erlebt, in der er nicht wusste, was zu tun ist und vor Schock erstarrte. Oder man hat eine große Angst vor einer unvermeidlichen Handlung, die man daher immer weiter hinauszögert. Vielleicht steht man auch vor einer entscheidenden Wahl und fürchtet, sich falsch zu entscheiden.
Solche Situationen führen zu einer mentalen Lähmung, bei der man keinen Ausweg sieht. „Weiter“ ist dabei ein passendes Stichwort, denn neben Angst ist auch empfundener Stillstand ein weiterer Auslöser für Bewegungsunfähigkeitsträume. Irgendetwas im Leben des Träumenden ist festgefahren. Der Wunsch nach Weiterentwicklung ist da, doch es gelingt nicht, egal wie sehr man sich bemüht. Bleibt man im Beruf oder in der Beziehung auf der Stelle stehen, führt der Mangel an persönlichem Fortschritt zu einer tiefen Unzufriedenheit, die sich oft in Form von Lähmung im Traum zeigt.
Träume von Bewegungsunfähigkeit oder Lähmung deuten
Bevor mit der Deutung der Träume begonnen wird, sollte man Ursachenforschung betreiben. Das bedeutet, insbesondere zu prüfen, ob die Albträume eventuell rein körperlicher Natur sind. Dazu blickt man in die Vergangenheit und überlegt, wann ähnliche Träume bereits aufgetreten sind und ob es ein festes Muster gibt, beispielsweise ob sie nur direkt vor dem Aufwachen auftreten. Außerdem sollte man sich fragen, inwieweit man sich in einer Lebenssituation befindet, die das Auftreten von Lähmungsträumen begünstigt (siehe mentale Ursachen).
Wenn rein körperliche Ursachen ausgeschlossen werden können, was häufig der Fall ist, wendet man sich der eigentlichen Traumdeutung zu. Zunächst steht die Frage im Mittelpunkt, ob im Traum vor etwas geflohen oder ein Ziel verfolgt werden wollte. Dadurch lassen sich zwei Arten von Bewegungsunfähigkeitsträumen unterscheiden. Träume von gehinderter Flucht sind ein klares Zeichen für Angstträume. Wenn der Träumende es hingegen nicht schafft, ein Ziel zu erreichen, liegt das Problem wahrscheinlich in gefühltem Frust oder Ohnmacht.
Bei einem Fluchttraum richtet sich die Aufmerksamkeit des Traumdeutenden natürlich vorrangig darauf, wovor der Träumende fliehen möchte. Ist eine bestimmte Person oder ein kontextbezogenes Objekt wie ein Gebäude oder Fahrzeug erkennbar, handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen klaren Hinweis auf die Traumursache. Die Deutung des entsprechenden Traumsymbols könnte hier die Lösung sein.
Schwieriger wird es, wenn der Träumende nicht weiß, wovor er fliehen möchte. Ein Hinweis kann in der Umgebung des Träumenden liegen. Nur selten befindet sich der Fluchtwillige in einer leeren Umgebung, und selbst dann gibt die Farbe der Umgebung einen Hinweis. Ansonsten kommt es darauf an, was der Träumende mit dem Traumumfeld assoziiert. Ist es mit der Arbeit oder der Familie verbunden? Ist es ein Ort, den er bald besuchen muss oder auf dem Weg zu einem zukünftigen Ereignis passiert?
Vielleicht ist es auch eine Umgebung, die der Träumende mit seinen Charakterzügen verbindet. Welche Gefühle wurden im Traum durchlebt? Gab es Erkenntnisse in der Wachwelt, die relevant sein könnten? Hat der Träumende etwa Angst davor, die langjährige Partnerschaft zu beenden, obwohl er nicht mehr glücklich ist?
In einem solchen Fall symbolisiert der Albtraum der gelähmten Bewegung möglicherweise, dass der Träumende sich selbst im Weg steht und vielleicht nur noch in der Beziehung bleibt, aus Angst, den Partner mit dem Wunsch nach Trennung zu verletzen. Alternativ könnte es auch die Angst vor dem Alleinsein sein.
Möchte der Träumende nicht fliehen, sondern einen bestimmten Ort erreichen und wird dabei von einer unsichtbaren Macht aufgehalten, verlangsamt oder gelähmt, liegt die Bedeutung der Träume nahezu auf der Hand. Im Allgemeinen wünscht er sich einen Fortschritt oder das Erreichen eines Ziels im realen Leben, doch etwas hindert ihn daran.
Die zentralen Fragen sind: „Wer oder was hält mich auf?“ und „Wobei werde ich aufgehalten bzw. wovon werde ich abgehalten?“
Diese Fragen kann man durch die Analyse seiner Lebenssituation beantworten. Mit Geduld und Selbstreflexion erkennt man schnell, was die Albträume verursacht. In diesem Fall ist die Deutung der eigentlichen Trauminhalte weniger wichtig. Viel wichtiger ist die Erkenntnis des Problems, das die Albträume verursacht, und die Auseinandersetzung damit, um eine mögliche Lösung zu finden.